Jedes Jahr werfen deutsche Imker 100 Tonnen männliche Larven und Puppen weg. Sie tun das, um den Rest des Bienenstocks vor Parasiten zu schützen. Wir wollen diese frische, lokale und nachhaltige Ressource nutzbar machen. Denn die sogenannte Drohnenbrut kann man essen – sie ist sehr gesund, nahrhaft und lecker. Ihre hochwertigen Proteine und Fette lassen sich auch für andere Zwecke einsetzen, zum Beispiel als Grundstoff für Futtermittel oder Kosmetika. Wir wollen ihr großes Potential erschließen, sind Pioniere und stehen noch ganz am Anfang dieser Innovation. Unterstützung und Austausch jeglicher Art ist daher willkommen – kontaktieren Sie uns gerne. Mit einem Teil eines möglichen zukünftigen Gewinns wollen wir übrigens Projekte zum Schutz von Insekten, insbesondere Wildbienen, unterstützen.

 

Publikationen, Presse & Sonstiges

FAQ
  • Kann man Bienenlarven essen?

Dass Bienenlarven und -puppen essbar sind, ist nicht nur Imkern seit Jahrhunderten bekannt. Weltweit werden sie seit jeher als Speise geschätzt und gelten beispielsweise in Thailand als Delikatesse.[1] Aktuelle Studien belegen zudem, dass die Bienenbrut eine hervorragende Protein- und Nährstoffquelle ist[2,3]. Dennoch wird sie bei uns nur sehr selten und in geringen Mengen gegessen – stattdessen wird eine große Menge Bienendrohnenbrut jedes Jahr einfach weggeschmissen.

Jedes Jahr fallen bei vielen Imkern 2-3 kg Drohnenbrut pro Bienenvolk als Abfall an, bei 100 Völkern – etwa die Menge einer kleinen Imkerei – sind das schon 200-300kg. Eine riesige Menge, vor allem weil viele Imker diese ohnehin produzierte, aber komplett ungenutzte Ressource gerne abgeben würden.

  • Sind Bienen nicht vom Aussterben bedroht?

Der Begriff Bienensterben hat zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen. Er bezeichnet entweder das Aussterben seltener Wildbienenarten, oder das Sterben von Bienenvölkern als Folge der Intensivierung der Landwirtschaft. Die Honigbiene ist dabei im Gegensatz zu vielen Wildbienenarten und anderen Insekten zwar nicht vom Aussterben bedroht, allerdings stellen Pestizide, die Verbreitung von Krankeitserregern und eine Knappheit des Nahrungsangebot eine ernsthafte Gefahr dar. In freier Wildbahn sind Honigbienen heutzutage so gut wie nicht überlebensfähig, das überleben der Honigbienen ist eng an die Arbeit der Imker gebunden. Das Entfernen von Drohnenbrut schadet dem Bienenvolk dabei nicht – im Gegenteil, der Drohnenschnitt hilft dabei, den Parasitendruck durch die Vorroamilbe auf das Bienenvolk zu reduzieren (s. nächste Frage) und ist Teil der natürlichen Schädlingsbekämpfung.

  • Warum werden die Bienendrohnenlarven weggeschmissen?

Honigbienen sind eine von ganz wenigen Insektenarten, die der Mensch domestiziert hat. Ohne den Imker könnten sie in freier Wildbahn nicht überleben. Das ganze Jahr über kümmert sich der Imker um seine Völker und überprüft ihre Gesundheit.

Einer der häufigsten Parasiten ist die Varroa-Milbe, die sich an den Honigbienen festsaugt und dabei gefährliche Viruserkrankungen übertragen kann. Eine der wirksamsten Möglichkeiten diesen Parasiten zu bekämpfen und dabei auf synthetische Pestizide zu verzichten, ist das Entfernen der Drohnenbrut zwischen Mai und Juni. Drohnen nennt man die männlichen Bienen – alle anderen Bewohner des Bienenstocks – die Arbeiterinnen und die Königin – sind weiblich. Da die in den Waben heranwachsenden männlichen Bienen etwas größer sind als ihre Schwestern, und außerdem etwas länger bis zum Schlupf brauchen, vermehren sich Varroa-Milben besonders gerne in den Drohnenbrutzellen.

Wenn der Imker die Teile der Wabe mit der männlichen Brut entfernt, kann er die Anzahl an Varroa-Milben im Volk sehr effektiv senken und gleichzeitig auf die Verwendung chemischer Bekämpfungsmittel verzichten. Dem Bienenvolk schadet das nicht – ihre Königin wurde bereits bei ihrem Hochzeitsflug befruchtet und kann die Samen mehrere Jahre lang speichern. Trotz Drohnenschnitt schlüpfen pro Volk immer noch einige hundert Drohnen. Der Flug von Jungköniginnen wird in der Imkerei sehr genau kontrolliert und das natürlicherweise vorkommende Schwärmen des Volkes (dabei teilt sich der Staat und die Jungkönigin nimmt einen Teil der Arbeiterinnen mit) wird durch gezieltes Umsetzen in neue Bienenstöcke verhindert. Drohnenbrut fällt außerdem an, wenn ein Volk seine Königin verliert, und die ArbeiterInnen anfangen unbefruchtete Eier – die sich zu Drohnen entwickeln- zu legen.

  • Wie bereite ich die Drohnenlarven zu?

Waben im Tiefkühlfach (ca. -20°C) durchfrieren lassen. Nur wenn sie tiefgefroren sind lassen sich die Drohnen herausbrechen und vom Wachs trennen. Es sollte immer nur ein kleiner Teil aus dem Gefrierfach entnommen und direkt weiterverarbeitet werden – also am besten noch gefroren in die heiße Pfanne. Sonst werden sie matschig und laufen blau an, in diesem Fall sollten sie nicht mehr weiterverarbeitet werden.

Die Drohnen schmecken uns am besten, wenn sie in der (beschichteten) Pfanne ohne Fett knusprig geröstet werden, entweder mit Salz und Schnittlauch oder mit Zucker, der dann karamellisiert. Aber auch mit aufwändigeren Rezepten, bei denen die Bienendrohnen als Eiersatz, zum Beispiel in Nudeln oder Gemüsebratlingen, verwendet werden, haben wir gute Erfahrung gemacht.

  • Warum Viehwirtschaft massiv reduziert werden muss

Aus ökologischer Sicht muss die Fleisch- und Milchproduktion gesenkt werden, damit die Ernährung der Weltbevölkerung gewährleistet werden kann und gleichzeitig unsere Ökosysteme erhalten werden können. 70 % aller landwirtschaftlich genutzten Flächen für die Tierfütterung beansprucht. Wir absurd das ist sieht man an folgendem Vergleich: In den USA werden pro Hektar Fläche 5 Menschen ernährt – möglich wäre es aber 16 Menschen satt zu bekommen, wenn die auf dem Hektar angebauten Pflanzen direkt vom Menschen gegessen würde und nicht von Tieren deren Fleisch wir dann essen. Bei der Erzeugung von tierischen Produkten entstehen außerdem hohe Mengen an Treibhausgasen und Ammoniak. Beide haben negative Folgen für die Umwelt.

Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) sind die Hauptverursacher des durch den Menschen verursachten Klimawandels. Die Erzeugung von tierischen Produkten trägt nach Schätzungen der FAO 14,5% bzw. 18% zur globalen, vom Menschen verursachten, Emission von Treibhausgasen bei. Das Worldwatch Institute geht sogar von über 50% aus. Vor allem Wiederkäuer produzieren bei der Verdauung große Mengen an Methan.

  • Bienendrohnenlarven im Vergleich zu anderen Insekten

Aufgrund des hohen Protein- und Eisengehalts sind Bienendrohnenlarven eine interessante Ergänzung einer nachhaltigen, ansonsten pflanzlichen, Ernährung. Im Gegensatz zu anderen Insekten, die zurzeit als nachhaltige Fleischalternative im Gespräch sind, handelt es sich bei Bienendrohnenbrut um ein reines Abfallprodukt. Solange die Drohnenbrut von lokalen Imkern bezogen wird, entfallen außerdem die langen Transportwege, wie sie bei Mehlwürmern, Buffalowürmern oder Grillen, die aus Kanada oder Südostasien nach Europa importiert werden, entstehen.

  • Fragen der Tierethik

Die Frage, ob Insekten auch aus der Sicher der Ethik eine bessere Wahl gegenüber Schweinen, Hühnern und Rindern sind, wirft zunächst die Frage auf, ob es ethisch vertretbar ist Wirbeltiere zu essen, deren Intelligenz und Empfinden unserem eigenen viel näherkommt. Wie schwer es ist, moralische Grenzen zu ziehen zeigt diese Argumentation:

„Es mag der Tag kommen, an dem man begreift, dass die Anzahl der Beine, die Behaarung der Haut oder das Ende des Kreuzbeins gleichermaßen ungenügende Argumente sind, um ein empfindendes Wesen dem gleichen Schicksal zu überlassen. Warum soll sonst die unüberwindbare Grenze gerade hier liegen? Ist es die Fähigkeit zu denken oder vielleicht die Fähigkeit zu reden? Aber ein ausgewachsenes Pferd oder ein Hund sind unvergleichlich vernünftigere sowie mitteilsamere Tiere als ein einen Tag, eine Woche, oder gar einen Monat alter Säugling. Aber angenommen dies wäre nicht so, was würde das ausmachen? Die Frage ist nicht ‚Können sie denken?‘ oder ‚Können sie reden?‘, sondern ‚Können sie leiden?“

[Jeremy Bentham. An Introduction to the Principles of Morals and Legislation 235f. London, 1828]

Diese Argumentation von Tierrechtlern ist eine der gebräuchlichsten. Dabei kommt es nicht auf andere Fähigkeit an wie Intellekt oder Sprache. Allein die Fähigkeit zu Leiden ist der Grund, warum man die Interessen eines Lebewesens moralisch berücksichtigen muss. Dies lässt sich auch sehr einfach aus den allg. Menschenrechten herleiten. Auch hier ist die einzige wirkliche Verbindung unter Menschen ist die Fähigkeit zu Leiden (da Intellekt, Sprache usw. nicht in jedem Menschen verwirklicht sind, die Menschenrechte aber trotzdem gelten). Sobald man an diesem Punkt ist, fällt es schwer Tieren die gleichen Rechte zu verwehren. Dies bedeutet konkret: Tötungsverbot, Verbot von Qualen (bsp. Tierversuche) und Schutz der Habitate.

Auch wenn wir uns bei Ymbe dazu entschlossen haben, keine extra gezüchteten Insekten zu verwenden, handelt es sich bei den Bienendrohnenlarven dennoch um Tiere, deren Leidensempfinden für uns nicht erschließbar ist. Für Insekten gilt im Allgemeinen die Annahme, dass sie bei kalten Temperaturen keinen Kälteschmerz empfinden, sondern den Kreislauf verlangsamen und in eine Kältestarre fallen. Deswegen sollten die die Drohnenlarven enthaltenden Bienenwaben vor der Verwendung eingefroren werden.

  • Wofür steht der Name Ymbe?

Ymbe kommt aus dem altenglischen und bedeutet Bienenschwarm, oder als Präposition verwendet „nah bei“,“um“ und „in der Nähe“. Den Wortstamm beider Verwendungen findet man heutzutage in den Worten „Imker“ oder „Imme“ (eine alte Bezeichnung für Bienen) sowie dem lateinischen „ambi“ (z.B. in ambivalent) und dem englischen „by“.

Auch wenn beide Bedeutungen vermutlich unterschiedliche Wurzeln haben, passen sie beide hervorragend zu unserem Vorhaben: Bienendrohnenbrut als ungenutzte Ressource der Imkerei eine größere Wertschätzung zukommen zu lassen und regionale Netzwerke aus ImkerInnen und Nutzern aufzubauen.

 


[1] Chen, P. P., et al. Honey bees and other edible insects used as human food in Thailand. American Entomologist 44.1 (1998): 24-29.

[2] Jensen, Annette Bruun, et al. Standard methods for Apis mellifera brood as human food.  Journal of Apicultural Research (2016): 1-28.

[3] Finke, Mark D. Nutrient composition of bee brood and its potential as human food. Ecology of food and nutrition 44.4 (2005): 257-270.

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